von Harm Bredemeier

Marie–Luise „Marlis“ Burmeister
(* 25.2.1935 – † 21.3.2018)

Der SV St Georg trauert um Marlis Burmeister, die am 21. März völlig überraschend für ihre Familie und uns gestorben ist. Nichts deutete darauf hin, als ich sie das letzte Mal anlässlich unseres Adventstreffens im Dezember sah, nichts auf unserer Jahreshauptversammlung am 26. Februar, an der sie einen Tag nach ihrem 83. Geburtstag wie immer voller Vitalität und – wie es schien – in bester Gesundheit teilnahm.

Erschüttert müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass sich mit Marlis eines der wenigen verbliebenen „Urgesteine“ aus unserer Mitte verabschiedete, das dazu noch mit Begeisterung für Abteilung und Verein wirkte, sich mit Freude und Ideenreichtum engagierte und durch ihre positive Lebenseinstellung Mitglieder und Mitarbeiter motivierte. Der SV St. Georg verliert mit Marlis eines seiner engagiertesten, verdienstvollsten Mitglieder, und ich eine enge Vertraute und Freundin meiner Familie, die uns auch privat über Jahrzehnte begleitete.

Aus Anlass ihres 75. Geburtstages schrieb ich in einer Ausgabe unserer Vereinszeitung2010: „Wenn ich an meinen SV St. Georg denke, dann denke ich auch an Marlis Burmeister, mit der mich 17 Jahre erfolgreicher und von gegenseitiger Sympathie geprägter Zusammenarbeit im Vorstand unseres Vereins verbinden.“ Wenn ich heute – nur 8 Jahre später – an sie denke, empfinde ich große Trauer, gleichzeitig aber auch Dankbarkeit, sie kennengelernt und so viele Jahre mit ihr zusammen gearbeitet zu haben sowie ihre Freundschaft, Herzlichkeit und Fröhlichkeit erlebt haben zu dürfen.

Bereits Anfang der 50er Jahre trat Marlis unserem Verein bei. Basketball spielte sie damals und Feldhandball, wurde von Kurt Helms trainiert. Wegen Knieproblemen musste sie den Sport aufgeben und verließ unseren Verein. 15 Jahre später kehrte sie 1969 mit ihrer inzwischen gegründeten Familie, mit Günter, ihrem 1991 verstorbenen Mann, und ihren Kindern Jan und Sven, zurück. Alle wurden Mitglieder in der Turnabteilung.

Schon damals zeichneten Marlis Eigenschaften aus, auf die alle ehrenamtlich geführten Sportvereine angewiesen sind, und die auch ich – ab 1978 Vorsitzender des SV St. Georg – mit Freude und Dankbarkeit nutzte, nämlich ihre Bereitschaft, sich für Abteilung und Verein zu engagieren, Funktionen und Ämter zu übernehmen und diese mit Herzblut und Begeisterung auszuführen. Kaum Mitglied in der Turnabteilung brachte Marlis sich in die Abteilungs- und Jugendarbeit ein, begleitete und unterstützte dort Faschingsfeste und Märchenaufführungen, organisierte Radtouren und Wanderungen in der Heide, Zeltlager und Besuche auf Bauernhöfen. An letzteren nahm auch ich mit meinen Töchtern in den 80er Jahren öfter teil.

Ich lernte Marlis 1980 auf meiner verzweifelten Suche nach einem Schriftführer
für den Vorstand kennen. Irgendjemand gab mir den Tipp, in der Turnabteilung gebe es eine Marlis, die solle ich doch mal ansprechen. Marlis übte dieses Amt so gut und verlässlich aus, dass sie nach drei Jahren in die Geschäftsführung unseres damals boomenden Vereins wechselte. Bis 1996 arbeitete sie dort mit mir zusammen, fünf weitere Jahre folgten nach meiner Zeit als Vorsitzender. Die Erfolgsgeschichte St. Georgs in den 80er und 90er Jahren mit zuletzt über 2.100 Mitgliedern wäre ohne Idealisten wie Marlis nicht denkbar gewesen.

Neben ihrer Tätigkeit als Geschäftsführerin zählte sie zur unverzichtbaren „Kerntruppe“ für unsere zahlreichen Feste und Veranstaltungen sowie Vereinsjubiläen 1985 und 1995, sie organisierte die Tombola der weihnachtlichen Frühschoppen, wirbelte auf den Jux-Olympiaden der 80er Jahre, war für alle Abteilungsleiter, Vereinsmitglieder, Vorstand und besonders auch für mich immer ansprechbar und behandelte jeden Anrufer, als wäre er ein zukünftiges Ehrenmitglied des SV St. Georg. Nach meinen zurückhaltenden Schätzungen muss sie in diesen Jahren eigentlich mehr Zeit mit Arbeiten für unseren Verein verbracht haben als mit ihrer Familie. Ich erlebte bei Marlis eine Arbeitsfreude, Hilfsbereitschaft und Liebenswürdigkeit, wie sie in dieser Kombination nur sehr selten anzutreffen sind. Marlis kümmerte sich um alles und um jeden, war immer ansprechbar, immer freundlich, wusste alles und kannte alle und arbeitete sich ab 1987 – zu Beginn stirnrunzelnd – mit Engagement und Fleiß erfolgreich in die Geheimnisse der über sie hereinbrechenden Computerwelt ein. Und das alles bei einer Vergütung, die kaum ausreichte, die Benzinkosten für ihre Vereinsaktivitäten zu decken.

Nach der Silbernen Ehrennadel 1977 und der Goldenen 1985 bedankte sich der SV St. Georg bei Marlis 1992 mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft, der höchsten Auszeichnung des Vereins. Jetzt hat sie uns verlassen. St. Georg hat eins seiner verdienstvollsten Mitglieder verloren, ich eine sehr gute, liebe Freundin.

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